Scheiden oder bleiben

Sie sind verheiratet, mehr oder weniger lang, mehr oder weniger glücklich. Und eines Tages stellen Sie fest, dass das Leben an der Seite Ihres Partners oder Ihrer Partnerin langweilig geworden ist.

Leider liebt Ihr Partner/Ihre Partnerin Sie immer noch zärtlich, ist loyal und liefert keinen einzigen Scheidungsgrund. Auch ist Ihnen eine offene Aussprache mit Tränen, Vorwürfen, Streit und Wutausbrüchen zuwider. Sie möchten Ihren Ehemann/Ihre Ehefrau ja nicht kränken, schließlich hat man sich doch einmal geliebt, Sie wollen ihn/sie ja nur verlassen. Dann sind da unter Umständen noch die gemeinsamen Kinder, Freunde, das Haus, ein Unternehmen. Auch könnte es sein, dass Sie, wenn Sie die Scheidungsklage einreichen, mit finanziellen Einbußen zu rechnen haben.

Erstrebenswert wäre es also, würde der Partner/die Partnerin selbst den Wunsch verspüren, sich von Ihnen zu trennen. Dazu ein paar harmlose, aber sehr wirksame Ratschläge, wie Sie ihn/sie dazu bewegen könnten. Das Zauberwort heißt. VERÄNDERUNG-VERÄNDERUNG-VERÄNDERUNG

1. AUSSEHEN: Er hat ein graues Mäuschen geheiratet? Mit etwas Farbe im Gesicht, einer neuen Haarfarbe, Frisur und Garderobe kann sich jede Frau zu einem attraktiven Wesen verändern, das die Blicke der Männer anzieht, was ihn verunsichern wird. Schwerer fällt Frauen wahrscheinlich die temporäre Verwandlung vom Vamp zum Hausmütterchen in Kleiderschürze und mit Lockenwicklern am Kopf. Da haben es Männer wesentlich leichter. Manch schlanker, sportlicher Adonis in Designerklamotten kann sich in kurzer Zeit in einen übergewichtigen, bierbauchtragenden, nachlässig gekleideten Sofahocker verwandeln.
2. GESPRÄCHE: Wenn sich Paare nichts mehr zu sagen haben, schweigen sie sich in der Regel an. Ich halte dies für ganz falsch. Überraschen Sie sie/ihn – und dies besonders ausführlich (SIE) mit Themen wie die Affären der besten Freundin oder (ER) kurz und technisch über die neuesten Auto-Modelle. Diskutiert er/sie gerne über Politik, Gesellschaft, Kunst und Kultur, widersprechen Sie nie, geben sie ihm/ihr immer Recht, das wird ihn/sie verwirren.
3. FREIZEIT: Haben Sie bisher zusammen regelmäßig Sport getrieben, bleiben Sie nun zu Hause. Oder Sie beginnen eine riskante Extremsportart wie Wingsuit-Fliegen, Big-Wave-Surfing, Drachenfliegen, Eistauchen oder Freiklettern. Macht er/sie mit, ersparen Sie sich unter Umständen die Scheidungskosten, doch sollten Sie für ihn/sie eine Lebens-oder Sterbeversicherung abschließen. Sie sind eifrige Theater oder Kinobesucher? Verzichten Sie eine Zeitlang darauf, Ihrem Vorhaben zuliebe. Ist er/sie ein Klassik-Fan, spielen Sie ihm/ihr deutsche Poplieder vor. Auch beim Fernsehprogramm könnten Sie alternativ werden, jedoch immer bei dem Grundthema bleiben. Zum Beispiel »Amerika«: FÜR IHN: statt der Serie »Sex and the City« – umschalten auf den Nachrichtesender CNN. Oder FÜR SIE »Rudelverhalten«: Universum Tier-Sendung statt Fußball-Übertragung. Dieser Ratschlag geht allerdings ins Leere, wenn Sie zwei Fernseher Ihr Eigen nennen.
4. ESSEN: Ein ganz wichtiges Thema – besonders für Männer. Mag er die zünftige österreichische Hausmannskost, könnte sie ihn mit japanischem Sushi überraschen, natürlich mit Stäbchen zu essen. Besonders wirkungsvoll ist dies, wenn er hungrig nach der Arbeit nach Haus kommt. Auch die Umstellung auf veganes Essen ist nicht aller Männer Sache.
5. SEX zu verweigern ist ein Scheidungsgrund, kein Scheidungsgrund hingegen ist ausgefallener Sex. Zwar wird der Partner/die Partnerin etwas misstrauisch werden, wenn aus dem bisherigen »Blümchensex«-Partner ein »Shades of Grey«-Sex-Protz wird oder aus der hellrosablaugrüngeblümten Flanellnachthemden-Tragenden eine Domina in High Heels, aber das ist ja Ihre Absicht.

All diese Ratschläge könnten einen Partner so verstören, dass er das Weite sucht. Sie können aber auch den gegenteiligen Effekt haben, nämlich, dass dieser/diese das Leben mit Ihnen nun besonders attraktiv findet. Dann rate ich Ihnen, die Beziehung aufrecht zu erhalten, denn engelsgleiche Wesen findet man selten ein zweites Mal.